Therapie

Für uns ist Gartentherapie ein teilnehmerzentrierter Prozess, bei dem ausgebildete ExpertInnen individuelle Ziele definieren und überprüfen und garten- und pflanzenbezogene Aktivitäten als therapeutisches Mitteln planen und einsetzen, um gesundheitsrelevante Aspekte der Teilnehmenden zu fördern. Hier der Link zur Definition Gartentherapie. Doch was genau ist das Therapeutische an Gartenarbeit?

Wann wird Gartenarbeit zur Therapie?

Gartenarbeit wird dann zur Therapie, wenn ich nicht mehr das Ziel habe, den Ertrag zu steigern oder dass der Garten möglichst gut aussieht, sondern ein übergeordnetes Ziel verfolge. Dies geschieht unter der Anleitung einer Gartentherapeutin oder eines Gartentherapeuten, der mit den Klienten*innen individuelle Ziele vereinbart. Dazu gehört zum Beispiel Abbau von Anspannung, Förderung bestimmter motorischer Fähigkeiten oder der Erhalt von Gedächtnisleistungen. Die gärtnerische Aktivität und die Naturmaterialien sind die Medien, die in der Gartentherapie zur Erlangung der Ziele eingesetzt werden.

 

Was wird während der Gartentherapie gemacht?

Während der Gartentherapie wird mit Naturmaterialien gearbeitet oder die Klient*innen gehen einer gärtnerischen Aktivität nach. Dabei werden sie von Gartentherapeut*innen angeleitet. Wenn die Klient*innen Hilfe benötigen, ist sie oder er da, um sie unterstützen, eine Lösung zu finden. Am Ende der Therapieeinheit kommen Klient*innen und Therapeut*in über den Verlauf der Einheit ins Gespräch. Gab es Probleme oder Schwierigkeiten? Was ist gut gelaufen? Wie haben sich die Klient*innen gefühlt? Das sind Fragen, die auf die ein oder andere Weise besprochen werden und deren Antworten vom Therapeut*innen in besonderer Weise bedacht und in die Planung der nächsten Therapieeinheit mit einbezogen werden.

 

Für wen ist Gartentherapie geeignet und für wen nicht?

Gartentherapie ist ein ganzheitlicher Ansatz. Sie fördert Entwicklungen auf verschiedenen Ebenen, die miteinander interagieren. Nach den Komponenten der ICF (LINK: International Classification of Functioning, Disability and Health, http://www.who.int/classifications/icf/en/ )   können gartentherapeutische Aktivitäten auf die Ebene der Körperfunktionen und -strukturen, Partizipation und Kommunikation und / oder auf umwelt- und personenbezogene Faktoren einwirken. Jede Wirkung auf einen dieser Bereiche hat Einfluss auf die Entwicklung in den anderen (LINK auf Schneiter-Ulmann 2010 S. 71). Wegen dieser Flexibilität und Ganzheitlichkeit wird Gartentherapie insbesondere in folgenden Fachgebieten angewendet (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

  •  Geriatrie
  •  Ergotherapie
  • Heilpädagogik bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
  • berufliche Wiedereingliederung
  • Therapie für geistig beeinträchtige oder psychisch erkrankte Menschen
  • Rehabilitation (z.B. nach Schlaganfällen)
  • Bewegungsstörungen
  • Suchterkrankungen, Rückfallprävention bei Drogensucht
  • Psychosomatische Beschwerden und Stress-Erkrankungen
  • Resozialisierungsmaßnahmen
  • Psychiatrie und Psychotherapie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicht geeignet ist Gartentherapie für Menschen, die aufgrund einer Erkrankung keinen Umgang mit Erde haben dürfen – obwohl sich auch dort kreative GartentherapeutInnen Aktivitäten ausdenken können (sterile Substrate, Kresse pflanzen auf Watte, usw.). Es ist darauf zu achten, dass bestimmte Krankheitsbilder und Allergien den Umgang mit bestimmten Pflanzen verbieten.

 

Was ist der Unterschied zu anderen Therapien?

Die Gartentherapie ist eine Therapieform, die den Garten als Therapieraum nutzt und pflanzen-oder gartenbezogene Aktivitäten als auch Naturmaterialien gezielt als Medien einsetzt, um Therapieziele zu erreichen. Die Pflanze steht im Mittelpunkt der Therapie. Sie wächst und wird dabei von den Klient*innen begleitet und gepflegt. Damit bietet die Gartentherapie ein besonderes Setting, dass dem Alltag sehr nahe kommt. Der Gartentherapeut bietet dem Klienten nicht nur therapeutisches Wissen und Handling, sondern auch gärtnerisches Wissen, dass er in die Therapie mit einfließen lässt. Es geht zum Beispiel um gärtnerisches Handwerk und Pflanzenkunde, den kunstvollen, dekorativen und spielerischen Umgang mit Pflanzen sowie um die Verwendung von Pflanzen.

 

Welche Ziele verfolgt Gartentherapie?

Die Ziele in der Gartentherapie sind für jede Klientin und jeden Klienten individuell. Zudem gibt es in der Rehabilitation andere vorrangige Ziele als in der Geriatrie, Psychiatrie oder in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Während es in der Rehabilitation zum Beispiel um das Wiedererlangen verlorengegangener Fähigkeiten geht, ist es in der Geriatrie eher das Ziel vorhandene Fähigkeiten zu erhalten und verlorengegangene zu kompensieren. Hier unterscheidet sich die Gartentherapie also nicht von anderen Therapieformen.

 

Wie wirkt Gartentherapie?

Der Mensch ist Teil der Natur. Der Wille nach Leben, Selbsterhaltung und Fortpflanzung ist tief in uns verwurzelt. Die Gartentherapie sieht den Garten als Raum, in dem Mensch und Pflanze miteinander und in Abhängigkeit voneinander, eine positive Wirkung erzeugen. Mit Hilfe eines Gartens gelingt es gezielt, die Sinne eines Menschen zu stimulieren, Handlungsfähigkeit im Rahmen einer vertrauten Beschäftigung zu erzielen und eine sichere Umgebung zu schaffen. In der Gartentherapie erfährt der Patient oder Klient sich nicht als derjenige, der gepflegt wird, sondern als derjenige, der pflegt. Dadurch wird Lebenssinn vermittelt und Lebensenergie erzeugt.

 

Wo findet man weitere Informationen über Gartentherapie?

Einige schöne Projekte und Einrichtungen in Norddeutschland, in denen Gartentherapie angeboten wird, finden Sie unter Projekte. Es gibt einige Bücher über Gartentherapie, mit Theorie, Praxisbeispielen und Anleitungen. Außerdem informiert die Gesellschaft für Gartenbau und Therapie auf ihrer Internetseite sowohl über weitere Quellen als auch über Fachartikel.

 

 

 

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