Seniorengarten

Ehrenamtliche helfen - Pflanzen, Erde und glückliche Gesichter

Praktisch alle sozialen Einrichtungen hegen den Wunsch nach einem sinnesanregenden, blühenden und gepflegten Garten. Wie soll man aber  ein solches Projekt in Zeiten der finanziellen Engpässe und der Personalknappheit bewerkstelligen?

Ehrenamtliche tun gerne etwas sinnstiftendes, Gartenarbeit eignet sich idealerweise. Die Planung von Ehrenamtsprojekten nimmt viel Zeit in Anspruch, das Ergebnis spricht aber immer für sich. In Bremen / Deutschland wurden mit Ehrenamtlichen schon mehrere Gärten nachhaltig gestaltet und gepflegt. Die Planungen beinhalten sowohl die eigentliche Gartenplanung, die Motivation einer geeigneten Ehrenamtsgruppe, das schnüren von Arbeitspaketen für die Aktionstage sowie die Beschaffung der Arbeitsgeräte, Pflanzmaterial usw.

In 72 Stunden zu einem lebendigen Sinnesgarten

Drei Jugendliche sitzen in der Einfahrt vor dem Altenpflegeheim Haus St. Elisabeth auf dem Boden und schrubben einen großen Ton-Topf sauber. Nur ein paar Schritte weiter koffern zwei Jungen mit ihren Spaten Erde aus, im Hintergrund wird aus Holzbalken das Gestell für ein Hoch-Beet zusammengeschraubt und um die Ecke setzen drei Mädchen neue Pflanzen. Insgesamt 40 Bremer Jugendliche helfen bei der 72-Stunden-Aktion des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Drei Tage lang beteiligen sich die Jugendlichen im Alter von 14 bis 27 Jahren an der Aktion unter dem Motto "Uns schickt der Himmel". Sie packen an, damit ein Sinnesgarten entstehen kann. Unter ihnen sind viele Pfadfinder, Firmlinge  und Schüler. Louis und Chiara sind beide 16 Jahre alt und mit Eifer bei der Sache: "Motivation für mich ist, am Ende glückliche Gesichter zu sehen. Es ist einfach schön, helfen zu können", meint Chiara. Louis nickt und sagt: "Eigentlich fühlt sich das gar nicht wie soziale Arbeit an, sondern Gartenarbeit. Wir machen gemeinsam etwas mit der Gruppe und haben Spaß." Die Senioren fahren mit dem Rollstuhl oder Rollator die verschiedenen Arbeitsstellen ab und beobachten das fleißige Treiben. Dabei wird (manchmal zaghaft) kommuniziert und herzlich gelacht.

Das erste Beet ist schon nach fünf Stunden fertig:

Gepflanzt sind jede Menge Kräuter, wie Zitronenmelisse, Thymian und Rosmarin. Für die Heimbewohner ist es ein Stück Lebensqualität, wenn sie im eigenen Garten Pflanzen und Kräuter sehen, fühlen, riechen und schmecken können. Damit sie sich nicht bücken müssen, entsteht u. a. ein Hoch-Beet. Ein Tischler hat mit den Jugendlichen eine Konstruktion geschaffen, an die man auch mit dem Rollstuhl ganz nah heranfahren kann. Die Jugendlichen lassen es sich nicht nehmen den Selbstversuch zu machen und rangieren mit dem Rollstuhl ans Hochbeet. Solche Übungen sind zur Toleranzbildung wichtig.

Mit einem großen generationsübergreifenden Grillfest wird nach 72 Stunden der Sinnesgarten gefeiert, alle Arbeiten werden gewürdigt und in Bildern dokumentiert. Der Stolz der Ehrenamtlichen ist groß und die Freude der Bewohner und Mitarbeitenden enorm. Die Jugendlichen versprechen Jährlich wieder zu kommen – dann in einer 7,2 Stunden Aktion.  Im Jahr 2014 wurde dieser Erlebnisgarten als vorbildlicher Firmengarten in Niedersachsen/Bremen ausgezeichnet. Am 27. Juni 2015 ist ein weiterer großer Aktionstag mit Jugendlichen, Flüchtlingen und Senioren geplant.

Diese nachhaltigen Garten Aktionen lassen den Garten stets besser und das soziale Leben immer angenehmer werden.

Businesskleidung und Smartphone gegen Rechen, Schaufel und Handschuhe

Sieben Führungskräfte der Deutschen Bank aus der Region Weser/Ostwestfalen,Deutschland haben einen „Social Day“ im Terrassengarten eines Altenpflegeheims in Bremen verbracht. Sie schufen einen Erlebnisgarten für Bewohner und Mitarbeitende. „Wir wollen etwas Schönes und Bleibendes schaffen“, sagt der Leiter des Kundenservice Weser/Ostwestfalen Jan Philipp Wassermann.

Das Ergebnis lässt sich sehen:

Erdbeer-Sträucher zum Naschen für die Bewohner – damit sie sich nicht bücken müssen, auf Kniehöhe. Weiches Eselsohr zum Fühlen und bunte Pflanzen für’s Auge. Manche wurden als Blumenzwiebel für das kommende Frühjahr tief in der Erde vergraben. Die Führungskräfte der Deutschen Bank zupften Unkraut, gruben Pflanzen ein und gossen sie. Die Bewohner staunten: „Die machen das ganz toll. Das sieht so schön aus. Aber wer soll das alles pflegen?“ Maren Gockel von der Deutschen Bank Bad Zwischenahn antwortet: „Eigentlich müssten wir in einem Jahr noch einmal kommen und uns ansehen, was daraus geworden ist“.

Und so hofft auch das St. Franziskus auf die jährliche Hilfe dieser Ehrenamtlichen. An einem solchen Aktionstag lassen sich wunderbare Stimmungen schaffen und interessante Gespräche führen. Nicht nur dadurch, sondern auch durch die Neugier wie eine solche gepflanzte Landschaft wächst und genutzt wird, lassen die Ehrenamtlichen zu Wiederholungstätern werden.

Fazit

Seien es 8 oder 40 Ehrenamtliche, Aktionstage mit Ehrenamtlichen bieten eine gewaltige Abwechslung für eine Senioreneinrichtung. Das rege Treiben bildet das reale Leben ab. Generationsübergreifende Kontakte sind im Garten auf natürliche Weise möglich. Auch der Kontakt zu Demenzkranken findet unbelastet statt. Es stellt sich die berühmte Win-Win-Situation ein. Die Ehrenamtlichen freuen sich über Ihre Leistung und den vollbrachten Angstabbau gegenüber Demenzkranken und körperlich eingeschränkten Menschen. Die Senioren freuen sich über die lebendige Abwechslung und den neuen oder frisch gepflegten Garten. Die Resonanz von Angehörigen der Senioren ist sehr positiv, sie würdigen den Elan und die Initiative der Angestellten, nicht selten kommt es vor, dass diese Angehörigen spontan mithelfen oder Pflanzen spenden. Oft ist die Erlebte aktive Gemeinschaft so intensiv, dass sich Wiederholungsveranstaltungen organisieren lassen.

Um die Motivation bei den Beteiligten aufrecht zu halten, hat sich während der Aktionstage eine regelmäßige Zusammenkunft bewährt. Dabei werden Teilprojekte besprochen und vor allem die Geselligkeit gepflegt, bei einer Stärkung und kurzen Spielen werden Kräfte gesammelt damit mit Humor weitergearbeitet werden kann.

Autorenbeschreibung

Susanne Büssenschütt ist Gartentherapeutin, Gesundheits- und Sozialökonomin und Krankenschwester. Seit 2010 bietet sie Gartentherapie Seminare sowie die Planung und Unterstützung für gartentherapeutische Projekte im Norddeutschen Raum an. Arbeitsschwerpunkte sind generationsübergreifende, integrative Projekte sowie die Schulung für Mitarbeitende in Senioreneinrichtungen.

Susanne Büsenschütt

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