Gartentherapie

Mit Gartentherapie werden keine Gärten geheilt, sondern Menschen! Gartentherapie ist auch mehr als nur Arbeit im Garten. Es heißt „Therapie“, wenn die GartentherapeutInnen, häufig gemeinsam mit den KlientInnen, individuelle Therapie-Ziele festlegen, die Umsetzung planen, dokumentieren und das Erreichen überprüfen. Das Gärtnern und der Umgang mit Pflanzen sind  Mittel der Wahl.

Was ist eigentlich Gartentherapie?

Gartentherapie ist ein zielgerichteter Prozess, der von ausgebildetem Personal geleitet und begleitet wird. Die KlientInnen profitieren in ihrem Heilungsprozess von der Arbeit mit Pflanzen. Bei Gartentherapie im engeren Sinne legen GartentherapeutInnen auf Grundlage von medizinischen Diagnosen individuelle Ziele für die KlientInnen fest und dokumentieren die Erfolge. Gartentherapie wirkt ganzheitlich auf den körperlichen, psychischen und sozialen Zustand, aktiviert und fördert die Selbstheilungskräfte.

 

 

Ist arbeiten im Garten nicht auch schon Gartentherapie?

Wissenschaftliche Studien belegen, dass schon der bloße Anblick von Pflanzen heilsam ist. Im Garten in der Hängematte zu liegen ist also auch schon gut für Sie. Noch besser, wenn Sie aktiv werden: Gärtnern – die Bewegung an der frischen Luft, die Freude, die Erfolge, die Düfte – der Garten wirkt auf vielfältige Weise positiv auf Ihre Gesundheit. Doch auch wenn Sie sich danach fit und entspannt fühlen: Gartentherapie war es nicht. Denn Gartentherapie ist ein geplanter und zielgerichteter Prozess, der von einer Expertin oder einem Experten geleitet wird.

 

 

Was ist der Unterschied zwischen Gartentherapie und anderen Therapien?

Wie in anderen Therapien steht auch in der Gartentherapie die Wiederherstellung der psychischen und körperlichen Gesundheit und des Wohlbefindens im Vordergrund. Gartentherapie ist jedoch eine begleitende, unterstützende Therapie. Sie wirkt ganzheitlich – auf Körper, Seele, Sozialverhalten, Kompetenzen – und auch die Umgebung. Sie ist außerdem im Unterschied zu vielen anderen Methoden fast für alle Zielgruppen geeignet, da sie sehr flexibel ist und sich an viele Bedürfnisse anpassen lässt. Grundvoraussetzung ist, dass die PatientInnen und KlientInnen Bezug zu Pflanzen und zur Natur haben, und dass die GartentherapeutInnen den gartentherapeutischen Prozess kompetent und einfühlsam lenken.

 

Ich fühle mich gar nicht krank. Kann ich trotzdem Gartentherapie machen?

Auch gesunde Menschen profitieren von Gartentherapie, denn Gartentherapie fördert Resilienz – also die Fähigkeit, Krisen zu meistern und gesund zu bleiben. Auch gesunde Menschen fühlen sich manchmal gestresst, schwach oder von der Natur entkoppelt. Sie können mit Hilfe der Gartentherapie entspannen, achtsam mit sich und den Pflanzen umgehen, neue Energie schöpfen und Ihr Immunsystem in Schwung bringen. Gartentherapie bzw. therapeutisches Gärtnern wird in Burnout-Prävention oder Stressbewältigung angewandt und fördert die Entwicklung von Gesundheit.

 

Für wen ist Gartentherapie geeignet?

Im Prinzip profitiert jeder von Gartentherapie, vorausgesetzt, sie oder er hat Spaß am

Umgang mit Pflanzen und Naturprodukten. Die bekanntesten Anwendungsgebiete sind:

Geriatrie

Ergotherapie

Psychiatrie und Psychotherapie

Psychosomatische Beschwerden und Stress-Erkrankungen

Bewegungsstörungen

Heilpädagogik bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Therapie für geistig beeinträchtige oder psychisch erkrankte Menschen

Rehabilitation (z.B. nach Schlaganfällen)

berufliche Wiedereingliederung

Suchterkrankungen, Rückfallprävention bei Drogensucht

Resozialisierungsmaßnahmen

 

 

 

 

Für wen ist Gartentherapie nicht geeignet?

Da Gartentherapie sehr flexibel und ganzheitlich ist, ist sie nur für wenige Menschen ungeeignet. Nur bei denen, die aufgrund ihrer Erkrankung keinen Kontakt zur Erde haben dürfen (z.B. wegen Immunsuppressiva, offene Wunden o.Ä) oder die bestimmte Allergien haben, ist Gartentherapie nicht zu empfehlen. Andererseits finden auch hier kreative GartentherapeutInnen Lösungen: Zum Beispiel mit Kultivieren von Gartenkresse auf Watte oder mit Basteln aus getrockneten Blüten. Gartentherapie ist stets individuell und erfolgt in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten oder dem Pflegepersonal. Manchmal reicht es, einfach dabei zu sein und zuzuschauen, um sich besser zu fühlen.

 

Wie wirkt Gartentherapie?

Gartentherapie wirkt ganzheitlich und individuell. Das bedeutet, sie beeinflusst den Menschen in seinem bio-psycho-öko-sozialem Kontext. Körperliche, seelische, soziale und ökologische Aspekte hängen eng zusammen, Verbesserungen auf der einen beeinflussen die anderen Ebenen. Gartentherapie wirkt durch die Kombination von Gartenarbeit, Kontakt zur Natur und Pflanzen, persönlicher Beziehung zu GartentherapeutInnen sowie die angewandten therapeutischen Methoden. Einige wichtige Wirkungen von Gartentherapie sind folgende:

Steigerung von Selbstbewusstsein, Selbstfürsorge und Selbstwert

Stress-Reduktion, Steigerung des Wohlbefindens

Verbesserung von Schlafqualität und Konzentrationsfähigkeit

Schmerz-Reduktion

Rhythmus, Orientierung, Struktur und Routine

Körperliche Aktivität, Verbesserung von Feinmotorik, Beweglichkeit, Ausdauer usw.

Vitalisierende und Immunsystem-Aktivierende Wirkung

soziale Integration, Gemeinschaft und soziale Eingliederung

Erhaltung der Lebensqualität

 

 

Was kostet Gartentherapie und wer zahlt sie?

Eine wichtige Frage. Denn obwohl Gartentherapie in vielen Einrichtungen angeboten wird und ihre Wirksamkeit belegt wurde, ist sie keine Kassenleistung und wurde sogar aus dem aktuellen Leistungsverzeichnis der Deutschen Rentenversicherung zur medizinischen Rehabilitation herausgenommen. Sie können also nicht einfach zum Arzt gehen und sich Gartentherapie verschreiben lassen. Sie können aber sehr wohl eine Gartentherapeutin suchen und selbst zahlen, oder im Rahmen einer Ergotherapie ein gartentherapeutisches Angebot wahrnehmen. In Krankenhäusern, Rehabilitationszentren, Tageskliniken, Werkstätten, Seniorenunter- künften oder Pflegeeinrichtungen wird Gartentherapie als Freizeitbeschäftigung, Aktivierungs- bzw. Ergotherapie oder eigenständige Therapieeinheit angeboten. In dem Fall können die Kosten über die Einrichtung gedeckt werden. In einigen Einrichtungen zur sozialen und medizinischen Rehabilitation kann Gartentherapie als niederschwellige tagesstrukturierende Maßnahme abgerechnet werden.

 

 

 

Wo finde ich gute Beispiele aus Norddeutschland und weitere Informationen über Gartentherapie?

Einige schöne Projekte und Einrichtungen in Norddeutschland, in denen Gartentherapie angeboten wird, finden Sie unter Projekte. Es gibt einige Bücher über Gartentherapie, mit Theorie, Praxisbeispielen und Anleitungen. Außerdem informiert die Gesellschaft für Gartenbau und Therapie auf ihrer Internetseite sowohl über weitere Quellen als auch über Fachartikel.

 

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