Definition von Gartentherapie

 

Obwohl es verschiedene Beschreibungen und Definitionen von Gartentherapie gibt, sind sich die Autoren einig, dass Gartentherapie ein zielgerichteter Prozess ist, der von ausgebildetem Personal (GartentherapeutIn) geleitet und begleitet wird.

 

„Gartentherapie ist ein teilnehmerzentrierter Prozess, bei dem ausgebildete ExpertInnen individuelle Ziele definieren und überprüfen und garten- und pflanzenbezogene Aktivitäten als therapeutisches Mitteln planen und einsetzen, um gesundheitsrelevante Aspekte der Teilnehmenden zu fördern.“

(Gartentherapie: Theorie - Wissenschaft - Praxis)

 

Diese Definition wurde ausgesucht, weil sie  die Individualität und Teilnehmerzentriertheit betont. Im Folgenden werden nun die wichtigsten Elemente der Definition erläutert, weil es die Grundlage des zu vermittelnden Verständnisses von Gartentherapie bildet:

Teilnehmerzentriert bedeutet hier einerseits, dass das Wohl der PatientInnen die oberste Priorität ist, also nicht etwa die Produktion von Kräutersalz oder Möhren. Andererseits beschreibt es für uns auch ein humanistisches Menschenbild und eine Herangehensweise. Nicht nur das Handwerk der personzentrierten Gesprächsführung, sondern auch Werte wie Respekt und Akzeptanz, Empathie, Wertschätzung, Authentizität, Kohärenz und das Vertrauen in die Kraft für Wachstum jedes einzelnen sind die Grundlage unseres Umgangs mit KlientInnen – und eigentlich allen Menschen.

Prozess bedeutet, dass Gartentherapie keine zufällige Aktivität, sondern längerfristig angelegt ist und anhand der Ziele sorgfältig geplant und durchgeführt wird. Während eines längeren Zeitraums werden Änderungen beobachtet, dokumentiert und die Ziele angepasst. Folgende Schritte zum gartentherapeutischen Prozess: Gartentherapeutisches Assessment, das Vereinbaren gartentherapeutischer Ziele, Planen des gartentherapeutischen Prozesses, Durchführen des gartentherapeutischen Plans und Evaluieren der gartentherapeutischen Angebote.

Ausgebildete ExpertInnen. GartentherapeutInnen verbinden die Begeisterung für die Natur mit einer humanistischen Einstellung, interdisziplinärem und ganzheitlichem Denken sowie einfühlsamem Gärtnern. Zudem kennzeichnet sie das Handwerkszeug: botanisch-gärtnerische Kompetenzen, medizinisches, physiologisches Wissen und therapeutische Kompetenzen sowie das Wissen über Gartentherapie, ihre Chancen und Grenzen.

Individuelle Ziele. Obwohl das übergeordnete Ziel der Gartentherapie die Erhaltung und Förderung des sozialen, psychischen und körperlichen Wohlbefindens und der Lebensqualität ist, sollen in Gartentherapie für jeden einzelnen individuelle Ziele festgelegt werden (zusammen mit den KlientInnen), auf Grundlage des aktuellen Gesundheitszustandes, der Bedürfnisse und Fähigkeiten.

Definieren und überprüfen. Die Therapie-Ziele sollen nicht nur bestenfalls mit den KlientInnen gemeinsam festgelegt, sondern deren Erreichung auch überprüft und dokumentiert werden.

Als therapeutisches Mittel. Die Arbeit mit Pflanzen und der Aufenthalt in der Natur werden gezielt eingesetzt, um einen Heilungsprozess zu unterstützen. Es gibt verschiedene Ansätze und Herangehensweisen. Wichtig ist dabei, dass sich GartentherapeutInnen einiger Methoden bewusst sind und sie bewusst anwenden.

Gesundheitsrelevante Aspekte fördern. Gesundheit wird hier in einem bio-psycho-öko-sozialem Kontext gesehen. Gartentherapie wirkt ganzheitlich. Die Heilung oder die Förderung der Salutogenese orientiert sich zwar an einzelnen Zielen, die auf einer Krankheit oder den Ressourcen basieren. Gesundung entsteht über das Zusammenspiel der Entwicklungen auf vielen Ebenen, deren Wirkungsweisen voneinander nicht trennbar sind. Die Verbesserung des körperlichen Zustands, bessere „Laune“ und neue Kontakte in einer harmonischen, natürlichen Umgebung – diese Ebenen wirken alle gleichzeitig und bauen aufeinander auf.

 

Die oben genannte Definition soll hier noch um folgenden Aspekt ergänzt werden: Gartentherapie ist ein teilnehmerzentrierter, ressourcenorientierter Prozess. Ressourcenorientiert deshalb, weil die Fähigkeiten und Potentiale der KlientInnen im Vordergrund stehen sollten und nicht deren Defizite. Der Aspekt der ganzheitlichen Förderung der Genesung durch das Erleben einer Rückverbindung zur Natur spielen eine wichtige Rolle.

 

 

 

 

 

© Garthentherapeuten Nord, 2016